Persönliches Logbuch Mr Xenjo, Sternzeit -315.237,3
Bin krank. Darf wegen des Monster-Antibiotikums meine Schmerzmedizin für meinen in bälde zu kurierenden Tennisarm nicht nehmen. Der hängt jetzt runter und tut weh. Ich meine richtig weh. Ich frage mich was schlimmer ist: Mich auf dem Weg vom Bett in die Küche überall zu stoßen, weil mir noch immer das nötige Gleichgewicht fehlt, wegen diesem tricyclischen Antibiotikum versehentlich in der Badewanne einzuschlafen und zu ertrinken, diese Höllenschmerzen meines Arms zu ertragen oder eben alles zusammen:
Mein Tennisarm knallt gegen Türklinken, weil ich durch die Nebenhölenenzündung kein Gleichgewicht habe. Durch die Verstärkung dieser Schmerzen schreie ich mit viel Luft auf, was einen unschönen Hustenreiz wegen der Bronchitis auslöst und ich in echte Atemnöte komme - schlicht blau anlaufe. So ist das wenn man keine Luft mehr bekommt.
Was der gepeinigte Loser in der Situation benötigt ist ein Mantra. Das Mantra heißt schlicht: Bleistift, und es wirkt schon.
Erklärung:
Ich lieg im Bett und versuche Gläschen mit Käferaufsammlungen aus den Jahren 2003 bis 2006, die ich aus Zeitmangel noch immer nicht bearbeiten konnte, zu Lokalitäten und Exkursionsnummern zuzuordnen. D.h., ich habe in diesen Jahren den Fehler begangen, zuerst mit wasserfestem Faserschreiber Exkursionsnummern auf die Gläschen zu schreiben und die Schrift anschließend mit Scotch-Klebeband zu fixieren (damit mir die Schrift nicht versehentlich auf dem Glas verwischt).
Die Folge ist nun, dass die Schrift fast zur Unleserlichkeit chromatographiert. Ich hab' also tausend Gläschen mit gesammelten Käfern drin auf der einen Seite; Exkursionstagebücher mit Aufzeichnungen, die sich auf diese Nummern beziehen auf der anderen. Und die Zuordnung ist jetzt in Gefahr, was bedeutet, dass ich die Gläschen (und damit alle Aufsammlungen aus aller Herren Länder) in die Tonne treten kann, sofern ich es nicht schaffe sie doch manuell (viel Arbeit!) wieder herzustellen.
.oO(Es soll Datenbank-Entwickler geben, die das in ähnlicher Weise tun müssen, weil sie einen Test in ihrer Anwendung ausgelassen haben, und nun manuell für die Integrität der Daten sorgen müssen. Ich rate also: verwendet doch einfach Bleistifte!)
Ich hab' mich aber durchgekämpft und es fehlen nur noch meine Aufsammlungen aus der Türkei (wenn mir diese Daten verloren gingen müsste ich kotzen, ich hab die ganzen Käfer schließlich an den türkischen Zollbehörden vorbeigeschmuggelt, was mir, der Deutschen Botschaft in Istambul und den Türken selber viel Ärger und Lösegeld erspart hat).
Alles in allem echter Pre- und Postdilitantismus. Abhilfe: ich verwende seit diesem Jahr - wenn möglich - wieder den guten alten Bleistift. Bleistift auf Papier und Pappe bleibt auch gut leserlich, wenn das beschriebene Mediumin Diethylacetat oder Alkohol liegt (soll ja vorkommen).
Wenn ich aus dem Fieberwahn wieder aufgewacht bin, prüfe ich mal, ob ich die neu gekritzelten Nummern auch tatsächlich lesen kann. Im Augenblick verschwimmt nämlich noch alles ein wenig...