Liebes Tagebuch,
die letzten Wochen und Monate waren in Wahrheit Tage. Ganz schön wenige wenn ich in den Kalender schaue. Nur der Bartstandzeiger gibt mir gelegentlich noch das Gefühl von Zeitleiste.
Während sich der Performance-Nazi nach 12 Stunden Arbeit wie im Urlaub fühlt und Locke in die Luft springt, weil er mal wieder seine Kinder ins Bett bringen konnte (und das dieses mal wie ich hörte, ohne den Kindern Ephidrin ins Essen mischen zu müssen), geht’s‘ mir ja richtig gut! Ok, mein Warmwasserboiler Zuhause ist putt. Aber den kann ich bei Gelegenheit reparieren lassen.
Mein Psychiater sagte neulich zu mir: "Sie tragen mit Wonne 18 Stunden lang Schuhe die zwei Nummern zu klein sind, damit sie beim Ausziehen der Schuhe das Gefühl von Freiheit empfinden können. Das problematische sehe ich jedoch darin, dass sie versuchen, die Schuhnummer gegen 24 Stunden konvergieren zu lassen, weil sie mit der gewonnenen Freiheit nichts mehr anfangen können."
Als ich ihn nach dem ICD10 meiner kleinen Psychoanomalie fragen wollte (mal wieder für ein T-Shirt-Projekt), warf er mich aus dem Chat (vielleicht zur Erklärung: Wann sollte ich ihn denn physisch kontaktieren?). Also muss ich jetzt wieder mit dir sprechen, Liebes [„Tagebuch“, anm. d. Ü.]
Also. Wir kennen alle das "Noch-Zwei-Wochen-Prinzip". Es beschreibt, dass die Projekt-Mitglieder subjektiv immer in zwei Wochen mit ihrer Arbeit fertig sind. Egal ob vor drei oder in fünf Wochen. Nein, es lag leider nicht an einem Besuch von Doktor Mabuse, sondern daran, dass das Erreichen der letzten Fertigstellungs-Prozente eben nicht linear zur eingeplanten Rest-Zeit umsetzbar ist. Außer mit ganz vielen Drogen eben. Und da kam mir die Idee.
Mir ist in meinem aktuellen Projekt aufgefallen, dass eine Korrelation zwischen Drogen-Konsum-Menge und verbleibender Projekt-Zeit bestehen könnte. Da das von mir zu erst für meine Nachforschungen fokussierte Merkmal "sexuell aufgeladenen Stimmung" im Nachgang schlecht quantisierbar erschien und sich (deswegen nur gefühlt) konstant zur feature completeness verhält, habe ich das Augenmerk wieder auf die Drogen legen müssen. Und ich glaube ich bin fündig geworden. Schade eigentlich, denn die rosa Strumpfbänder, die wir als Dienstkleidung bei
gayflowr.de tragen, sind am Ende doch nur Zuckerguss. Jedenfalls wenn die Milch mal wieder aus ist.
Wir reden übrigens bei der
correlation of remaining time and drug consumption nicht von einem linearen Zusammenhang (kann man bestimmt auch bald wieder bei Wikipedia nachlesen). Auch wenn ich jetzt gerne wieder einmal Lorenz-Kurven zeichnen würde, möchte ich stattdessen den Nutzen in Buzzword gestützten Management-Umgebungen aufzeigen. Diese Environments zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass Prügelstrafen mit einem Grundrauschen an Einschüchterung durch gezielt visuelle Reizüberflutung (keine Bilder, bitte!) mit dem klassischen Abschneiden von Fingern und anderen Präventivmaßnahmen gut kombinierbar und in alle möglichen Richtungen erweiterbar sind.
Wenn ich also die Gelegenheit hätte, den Drogenkonsum der Kollegen in summa täglich zu messen, könnte bei Eintritt einer definierten Sättigung zu einem bestimmten Zeitpunkt, die remaining time der 100%-Fertigstellung hochgerechnet werden. Ich könnte mir keinen sinnvolleren Ansatz für Drogen-Screening vorstellen. Die Sättigung muss selbstverständlich zu Anfang eines Projekts ermittelt werden. Sowohl bei allen Teammitgliedern als auch für das gesamte Team. Alter, Gewicht und verschiedene Prädispositionen wie senile Bettflucht und HKS (meist wird ADHS etwas häufiger verwendet und ich bin mir nicht sicher, was besser trifft, da ich ja kein Mediziner bin), sind hier als Faktoren zu nennen. Diese Sättigung muss kontinuierlich mit verschiedenen Gewichtungen gegen einen Sättigungsindex gefahren werden. Die Berechnungsvorschriften erläutere ich zu einem späteren Zeitpunkt.
Das Ganze funktioniert selbstverständlich nur unter der Maßgabe, dass das Team auf die Zugabe von Drogen in einem steigerbaren Verhältnis verzichten mag, was ein definitives Nogo für diese Form der Status-Analyse wäre. Da würde Herr DeMarco mir sicher zustimmen.
Das Interessante an diesem Modell ist schließlich, dass es einen sehr guten Projekt-Status liefern wird, weil sich der Projekt-Zustand am Projekt-Team messen lässt. Man denke an Projekte, die daran gescheitert sind, weil es keine Club-Mate mehr gab. Der Einsatz eines integrated continuous drug screenings kann hier also aktiv helfen. Wenn man hingegen passiv helfen will, ist diese Methode sogar den aus der agilen Welt bekannten Burndown-Charts recht ähnlich. Voraussetzung: Mehr Drogen! Jedenfalls wenn ich Features gegen Pot ersetze. Um das hier einfach nochmal zu visualisieren. Und welches Buzzword-Environment erträgt man langfristig schon ohne?
Weitermachen.