Es gibt verschiedene Gründe, weshalb ich die Tage hier untätig war. Der Grund ist natürlich, dass ich Urlaub habe und die Zeit dazu verwenden konnte, endlich meinen neuen Rechner zu installieren und unter anderem auch das OpenSource Projekt
dropr (ein in PHP geschriebenes Message-Queue-Framework von Soenke Ruempler und Boris Erdmann, dass ich gerade evaluiere und das in der Tat sehr viel Spass macht, wenn man sich denn auf einen PHP-Daemon, der von einem Angle-Daemon überwacht wird, einlassen mag. Der Vorteil liegt prinzipiell darin, dass das PHP-Projekt-Team den Code sofort versteht und erweitern kann, was beim Einsatz von
JMS zusammen mit PHP so einfach nicht in der gewünschten Zeit möglich ist).
Es war eigentlich der Engel, der mich dann doch dazu veranlasst hat sauer zu werden. Heute ist ja der letzte Tag im Jahr und da hab' ich anderes zu tun, als über das ab morgen geltende Rauchverbot in meinen Kneipen nachzudenken.
Aber es ist ja auch kein Rauchverbot. Wenn man es genauer betrachtet, muss die Frage nach dem Sinn lauten: "Was haben die Todesstrafe, mein Chef und der Freistaat Bayern gemeinsam?". Die Antwort ist nicht, dass man nach der angewandten Todesstrafe blau anläuft, so wie der Bayrische Himmel aussieht und herumirrt wie mein Chef heute Abend. Die Antwort ist etwas realer. Ich muss leider ausholen, dieses Jahr ein letztes Mal, versprochen:
Bei dem Rauchverbot in Bayern kann es nicht um Nichtraucher-Schutz gehen. Sonst würde es ja Alternativen für diejenigen geben, als auf die Straße geschickt zu werden (ich kann mich in meiner Kindheit noch gut daran erinnern, dass überall diese Schilder mit leidenden Hunden hingen, auf den stand: "Wir müssen draußen bleiben!"...).
Mein erster Gegenentwurf wäre der, dass Behinderte ihre schrecklich behinderten Angewohnheiten unterlassen (gegen das Aussehen ansich kann auch ich nix unternehmen): Namentlich, das durch die Gegend zu spasten, nie was zu verstehen oder wenn man freundlich nachfragt angesabbert zu werden.
Ich gebe zu, gehörlose und blinde Raucher haben da jetzt halt einfach das Doppelnachsehen - auf Einzelschicksale kann nicht wirklich Rücksicht genommen werden, schließlich ist Bayern ein Freistaat, das ist sowas wie eine
Freibank, aber das ist ja wieder ein anderes Thema. Ach ja, und ich bin zum Glück nicht der König! Also vergessen wir das wieder ganz schnell.
Aber warum dieser gemeine Gegenentwurf? Ganz einfach: Entscheidungen können dem Volk nur dann zugemutet werden, wenn diese dabei nicht das Recht Einzelner auf Würde, Selbstbestimmung, Wahl der Religion etc. verletzt. Das klingt ja gut. Im Ansatz. Klar, sonst hätten wir in unserer Demokratie eindeutig schon wieder die Todesstrafe am Start, denn wenn wieder eine kleine Anne getötet am Wegrand liegt (und sicher nicht, weil sie vorher auf
http://necrophlirt.de/kinderleichen/ gesurft hat), haben wir in dem Land mehr als 51% Exekutions-Befürworter (Die Quelle kann ich bei Nachfrage raussuchen, die Erhebung fand im gesamten Bundesgebiet statt. Seit dem Deal mit der Ostzone haben wir es mit über 60% dauerhaften Befürwortern der Todesstrafe zu tun.).
Was ist aber nun damit, dass man Raucher einfach so in ihrer Freiheit beschränken darf? - Weil sie mit dem Begleichen der Tabak-Steuern beträchtlich in den Bundeshaushalt einzahlen? Weil sie die Rentenkassen entlasten, in dem sie einfach nur immer Rentensteuer abdrücken - und wenn es ernst wird, in den weißblauen Himmel auffahren? Oder vielleicht weil sie einfach kommunikativer sind und mehr mit einander Reden? Oder weil Calida mehr lange Unterhosen für Raucher-Samstag-Abende verkaufen kann? Es lassen sich Gründe finden und diskutieren. Aber nicht heute. Das Thema ist ja entschieden.
Ich halte fest: Raucher werden beschränkt, damit man Nichtraucher bedingungslos schützen kann. Das halte ich für Verfassungswidrig. Zugegeben, ich bin kein Verfassungsschützer. Mörder werden geschützt, weil sie bei uns im Land ein Recht auf Würde haben. So ganz nebenbei. Finde ich übrigens ok.
Der Deutsche Staat - und da speziell das Land Bayern - entwickelt sich kontinuierlich zu einem Kontrollstaat par Excelence. Es werden da völlig kranke Dinge getan. Das ist ja bekannt. Was mich wirklich sorgt, ist meine Erfahrung bei solch kranken Dingen: Denn wenn ich kranke Dinge sehe, ist der Urheber in der Regel völlig überfordert gewesen oder weiß einfach nicht, was er tut und warum. Das ist da draußen im Leben nicht viel anders, als in der Softwareentwicklung.
Was hat das nun mit meinem Chef zu tun? Nix, aber ein Chef muss schließlich seine Angestellten künftig ebenfalls wie die ganzen promovierten Biologen hinter dem Tresen, zum Rauchen rausschmeißen.
Es ist meiner Meinung nach statthaft und auch eine Pflicht, wenn wir Bürger dafür sorgen, dass dieses Vakuum ausgefüllt wird, das durch Sinn freie Ausübung bayerischer Kontrollzwänge auf Kosten von Steuerzahlern mit Mehrbelastung hervorgerufen wird.
Alleine, dass es Raucher-Clubs geben könnte, die einfach nur Gesetzeslücken ausnutzen, macht mich einfach krank und klingt nach einem echten Hack.
Beispielsweise:
Es wird Vereine mit Clubs geben, die keine Kasse besitzen und nur Mitglieder einlassen. Jeder kann natürlich mit einem symbolischen Beitrag Mitglied werden. Das blöde ist nur, dass diese Personen wenigstens den vollen Namen, die Adresse und eine Unterschrift leisten müssen. Aber in Zeiten, in denen fast jeder Student bei StudiVZ und Payback registriert ist, macht das auch keinen Unterschied mehr.
Viel kranker finde ich die neuen Möglichkeiten: Ein Raucherverein könnte am Ende noch gemeinnützig erklärt werden. Aus den Mitgliedsbeiträgen könnte man Alkohol, Haschisch und Zigaretten kaufen und ausgeben, auch wenn das nicht so leicht als Bewirtungsaufwand für Vereinsfeiern durchgehen wird. Versuchen muss man es ja.
Und so bleibt mir, allen Lesern für das Jahr 2008 folgendes mitzugeben: Versuchen müssen wir es!
Weiterböllern.