Abstract
Alle Aktivitäten, die mit einer gesteigerten Blutfülle im Kopf verbunden sind, zum Beispiel auch Weschselduschen, sollten eingeschränkt werden. Der Autor legt ein Proof of Concept vor, das beschreibt, wie durch gezieltes Auslösen Pavlovscher Reflexe, außergerichtliche Konfliktlösungen erzielt werden konnten.
Keywords: Rhizin, Pavlov, Mietverhältnis, Betriebskosten, Nebenkosten, Heizkosten, decorator pattern, käseschmiere
Das ist ein Drogenhund von Pavlov
Ich war gerade dabei etwas Nasenschleimhautsekret unterm Mikroskop für ein Dauerpräparat einzufärben als mir klar geworden ist, dass ich niemals darüber schreiben sollte. Niemals.
In der Regel lasse ich es dann dabei. Aber heute war der Tag, an dem ich mir dachte: Versuche es mit klassischer Konditionierung! Ich hatte heute ein Gespräch mit einem jungen Mann, der mir die Antwort auf meine Frage, wo man
Dekoratoren üblicherweise einsetzten wird geantwortet: "Ah, eine Fangfrage! Nun, wenn Sie eine Feier organisieren wollen, dann...". STOP. Drogen! Hätte ich mein Wochenende nicht bei meiner Mutter zur Entgiftung verbracht, hätte ich dem jungen Mann völlig zu Recht eine Überdosis Strychnin in den Kaffee gerührt. Das fällt mit Milchschaum nicht weiter auf. Oder etwas Rhizin - das wächst überall, ist billig und der Tod tritt erst am folgenden Tag ein. Fieber, Brechdurchfall, Husten, Exitus. Und das hat mich auf eine sehr gute Idee gebracht: Der Körper reagiert auf Rhizin. Er hat das zwar nicht gelernt, aber er wird das schon noch lernen. Aber von vorne.
Mein Problem hat vor ein paar Monaten mit einer ziemlich wirren aber hohen Heiz- und Betriebskostenabrechnung zu tun. Wer mit mir freiwillig rauchen geht, also Frustre und die stille Sandy, kennt das: Tägliches Jammertal am Morgen. Ich sollte wirklich ein Foto von den verzweifelten Gesichtern der beiden machen, wenn ich das öde Thema wieder in der Rotation habe.
Ich habe natürlich bei meinem Vermieter brav allen Abrechnungen solange widersprochen, bis ich der Meinung war, auch ich hätte jetzt die reale Chance eines Einsehens. Der Vermieter war schnell durch seinen Anwalt ersetzt und die Briefe wurden wie üblich unterirdisch. Menschen werden Anwälte, wenn ihnen der Stil zu allem Fehlt. Eigentlich ganz einfach.
Nun, das zog sich jetzt über ein viertel Jahr hin.
Das ist Käseschmiere (Vernix caseosa)
Und der Anwalt meines Vermieters hat nicht nur keinen Stil, sondern ist darüber hinaus auch noch mit Anzug und Krawatte zur Welt gekommen. Zumindest leite ich das aus den Flecken und Knittern seines Anzuges her, der aus dem Jahr der unseligen Zeugung desselben stammen muss. Dass es sich bei den Flecken nur um
Vernix caseosa (Käseschmiere) im eingetrockneten Sinne handeln kann, entnehme ich als Hobbychemiker dem Geruch. Es gibt einfach Indizienketten, die zwingend zu sein scheinen, wenn wir es nur zulassen. Also nicht nur bar jeden Stils und humorlos sondern auch noch alien. Ich hätte ihn gerne darauf angesprochen. Aber wer will den Kopf schon freiwillig von einem Alien abgebissen bekommen. Jedenfalls dieser Anwalt hat mir in letzter Zeit das Leben wirklich schwer gemacht. Nicht gut, das.
Oh, ich habe eben eine Einladung zum "Young Entomologists' Day at Oxford University Museum of Natural History". Sehr witzig, wann soll ich denn nach London fliegen! Egal. Oh, sorry, falsches Fenster!
Die Höhepunkte am Freitag waren dann ein Mahnbescheid, eine Räumungsklage, eine unbedeutende Rechnung von Käseschmiere mit der zugehörigen Zwangsvollstreckung vor dem ersten Ouzo am Frühstückstisch und die Exkommunikation aus der katholischen Kirche wegen meines vorhergehenden Blogeintrags. Wenn es jetzt noch eine Menschenrechtsorganisation auf mich abgesehen hätte: Na gut, auch recht. Ach ja, und die Ausweisung aus Franken. Ich hätte das fast vergessen, weil es eher die Wirkung von Echinacea auf mich hat.
Nachdem ich meine Situation heute morgen als völlig deterministisch und ausweglos einstufen musste, bin ich zur Arbeit gefahren. Dass mir ausgerechnet dort heute das Thema
Arbeitszeiten auf der Agenda unseres Debattierklubs entgegen gesprungen ist, nachdem ich erst kurz vor 1300 MEZ zur Türe hereingekommen war, konnte kein Zufall sein, und ich werde mich diesbezüglich noch rächen. Mit einem doppelten Bock-Shot, Arty.
Und die Idee, auf die mich der junge Mann in seiner absoluten Ahnungslosigkeit gebracht hat waren folgende Zutaten:
1) Meine Psychologin, die ganz zufällig über mir wohnt, sagt, dass mein Vermieter mich aus zwei Gründen sexy fände: Weil ich der Sohn sein könnte den er nie hatte (vom Alter würde es stimmen, sagt sie). Und dann sagt sie er hätte eine latente Homophilie, die darauf schließen lassen könnte, dass er sich einfach nur niemals outen wird. Aber wenn ich das richtig einsetzte, könnte ich sogar kostenlos in dem Haus wohnen - Inge Schmitt, die Verlobte meines Vermieters wird nichts mitbekommen. Sie liegt für Gewöhnlich besoffen unterm Küchentisch. Ich war da schon mal zu Besuch. Fussel, du fehlst mir.
2) Mein Vermieter hat mich, wenn ich mich recht erinnere, immer insoweit unterstützt, als dass er mir wann immer es ihm möglich war zinslose Raten angeboten hat. Wieso? Vielleicht weil ich mir echt mühe gebe, ihn an Ostern und Pfingsten ernst zu nehmen. Das tut im ganzen Viertel nicht im Leben niemand außer mir. Und ich tue es nur, weil ich ein gedopter Masochist bin.
Aus 1) und 2) dachte ich mir, könnte man vielleicht einen Pavlovschen Reflex erzeugen. Also schrieb ich eine paar Zeilen auf ein Blatt Papier mit einer formlosen Absichtserklärung, die ich zusammen mit meinem Hundeblick für das klassische Reflex-Sabbern einsetzten wollte, richtete mich auf und habe an seiner Türe geklingelt.
Stille. Alles dunkel. Dann: raunen, Geklapper und da stand er. Jetzt kommt meine Lieblingszene: Er öffnet (Highspeed-Cam!) das kleine Fensterchen an seiner Haustüre und sieht angewidert aber neugierig in meine Richtung richtung Treppenhaus. Immer noch in Slow motion. Jetzt kommt das unfassbare: Mein Vermieter sieht mich und und ein kurzes Strahlen fährt für einen fast unmerklichen Moment durch sein Gesicht (Reflex #1! YES! - Halbzeit). Den zweiten Reflex habe ich genau dadurch auslösen können, in dem ich den selben vertrauten Tonfall verwendet habe, als ich mit ihm ein vertrauliches Gespräch hatte, in dem ich ihm gesteckt habe, dass ihn eigentlich alle Mieter mögen und heulen, wenn er nicht zu unserem Sommerfest kommt, dass er untersagt hat. Eine Träne: Reflex #3. Touché.
Das ist Ignatius von Loyola, Compañía de Jesús
Alles weitere ist wirklich ein Witz gewesen. Er hat mir sogar zugesichert, dass er seinen Anwalt sofort stoppt - auch was die ganzen Zinsen und Anwaltskosten angeht. Keine Zwangsräumung. Der Mann wollte mir etwas mitteilen. Ich glaube, es war: "Sieh mich richtig an, ich stecke nur in einem falschen Körper - etwas Lippcloss - und das wird dir gefallen...". Nein, wird es nicht. Aber ich mag überflüssige Aktionen von Käseschmiere nicht. Überhaupt nicht.
Diese kleine Geschichte hätte ich gerne auch unter "Der Zwerg reinigt die Kittel" packen mögen, da ich in Ignatius von Loyola nicht wirklich einen Kreationisten sehe. Aber Katholik bleibt Katholik.
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