Der Abend heute fing so an: Ein halber Liter Bier um die manische Programmier-Libido abzutöten, einen Espresso, damit ich mit den vielen Stimmen meiner Imaginären Freunde gleich halten kann, eine Magnesium-Tablette, damit ich auch mal nach einem Vollrausch frisch und aufgeräumt morgens ins Office stolpere. Eben wie die Damen mittleren Alters, die täglich Zink-Tabletten einwerfen, wie andere Leute Speed oder Retalin und sich dadurch erstaunlicher Gesund rühmen. Sagen die. Also nicht bei uns im Office! Aber vielleicht lassen sie ja auch einfach die synthetischen Drogen weg. So, und ich habe eine Flasche Rioja aus 2004 geköpft, für die ich Alkoholsteuer abgeführt habe. Ich bitte ja seit längerem beim Deutschen Bundestag für eine Typo3-Steuer, um diesen Wahnsinn in den Griff zu bekommen - aber meine eingebrachten Vorschläge landen irgendwie nicht auf der Tagesordnung. Nie.
Also, es ist der ideale Abend, um sich in den Kopf zu rufen, wieso das
CAP-Theorem (wir erinnern uns: Consistency (das aus ACID (wir erinnern uns:
Atomicity (wir erinnern uns, das aus Superman (wir erinnern uns, der mit dem Kryptonit (wir erinnern uns, das Mineral aus dem DC-Universum (wir erinnern uns...
Stack overflow.
Von vorne: Es war eigentlich der ideale Abend, um sich unter einer heißen Dusche darüber Klarheit zu verschaffen, dass das CAP-Theorem von Brewer (Availability, Consistency und Partition Tolerance) alle drei Punkte implementiert, in einem asynchronen Webservice überhaupt nicht machbar ist.
Rönee - wenige wissen, wie man den Namen dieses Zehnfinger-Libidoisten wirklich versenkt - wird den mathematischen Beweis in einem Facebook-Post in den kommenden Tagen nachreichen. Bestimmt wird er das. Jetzt.
Dieser Aufsatz sollte sich mit Noam Chomsky beschäftigen. Denn als ich heute meiner sozialen Beschäftigung nachgegangen bin, nämlich mit einer Personen zu reden, die mir zuhört, hatte ich eine interessante Diskussion zu dem Thema, ob eine Theorie bereits dann widerlegt und streitbar ist, wenn eine widersprüchliche Ausnahme gefunden wurde. Während ich mir meinen misslungenen Pornobalken abgeschabt und meinem Gegenüber am Waschtisch Stoff für ein angeregtes Gespräch geliefert habe, ist mir ein
Artikel in der GEO in den Sinn gekommen, in dem von Daniel Everett berichtet wird (übrigens ein ehemaliger Schüler von Naom selbst), der bei Pirahã herausgefunden zu glauben scheint, dass die Menschen dieser ethnischen Rasse weder Nebensätze, noch Vergangenheitsformen bilden können als auch mitnichten Wörter für Zahlen in ihrem Vokabular haben. Die Pirahã sind ein Indianerstamm, der am Amazonas lebt. Nach Everett besteht bei diesen Menschen nicht einmal eine verbale Ausdrucksform für "abzählbare" Mengen. Aber wer braucht schon mehr wenn er "etwas" und "etwas mehr" hat. Und mit Kultur haben sie außerdem auch nicht viel am Hut. Aber dazu später mehr.
Als ich den Artikel las bin ich sofort blass geworden. Mein vertrautes Weltbild hat sich um ein Haar in Wohlgefallen aufgelöst und ich musste mich wirklich festhalten. Denn wenn die Beobachtungen valide sind, würde dies existierende Menschen mit einer existierenden Sprache darstellen, in der es keine Rekursion gibt. Als Informatiker genauso wie als Bedienung in einem Café ist das im ersten Augenblick unkritisch. Klar. Es wäre aber eine kleine Revolution! Rekursive Schachtelsätze wie den folgenden, könnte die Sprache nicht abbilden:
"Jos Kaffee, der von der Insel Java, eine der Großen Sunda-Inseln Indonesiens, die für ihren aromatischen Kaffe berühmt ist [Abbruchbed.], stammt [Abbruchbed.], ist kalt geworden."
Was aber Chomsky gemacht hat war folgendes: Er hat zunächst die natürliche Sprache mit Hilfe einer Meta-Sprache rekursiv "formalisiert". Später hat er darüber den Beweis erbringen können, dass der Universal-Translator sehr wohl möglich ist. Um es abzukürzen.
Nun, und da kommt so ein Sprachwissenschaftler namens Everett daher und sagt, dass die Rekursion in der Sprache allgemein zwar häufig ist (alle Sprachen bis auf diese eine beinhalten sie), aber nicht zwingend. Und eine Universalsprache (durch formale Meta-Sprachen rekursiv abgeleitet) ist per Definition Unfug. Also die Universalsprache ist Unfug, wenn nicht alle Menschen die gleichen kognitiven Voraussetzungen hätten. Dazu muss einem natürlich sofort in den Kopf schießen, dass die aktuelle Lehrmeinung davon ausgeht, dass unser Gehirn eine virtuelle Maschine bereitstellt, die einen Sprach-Meta-Code enthält. Bytecode-Compiler sind also keine Erfindung von Menschen, sondern des blinden Uhrmachers - der Evolution. So die Meinung.
Darüber hinaus denkt Everett erkannt zu haben, dass die Pirahã nur im hier und jetzt leben, sich weder für abstrakte Begriffe und damit auch nicht für das, was wir Zeit nennen, interessieren. Ich musste unmittelbar an Hunde denken - wenn sie denn sprechen könnten. Oder Katzen. Wie sie so in der Sonne liegen, sich einfach nicht für Gedichte interessieren wollen, für Musik nur bedingt und eigentlich nur aufs Fressen ausgerichtet sind (Tierliebhaber mögen mich, ich weiß) - wenn sie uns nicht die Füße wärmen, sofern es sich um Katzen handelt. Ja, und mir geht die ganze Zeit der Gedanke nicht aus dem Kopf, dass es sich hier wirklich um einen missing link in der Humanevolution handeln könnte. Vielleicht eine menschliche Schwesterart? Ein Homo unrecursivensis? Statt dass die alten Akademiker öffentlich und zudem völlig kontraproduktiv streiten (es geht doch eh wieder nur darum, wer den längeren hat), schlage ich vor ein paar konstruktive Versuche am lebenden Gehirn durchführen, einen dieser Menschen durch einen Sequenzer zu schicken (ok, dank PCR genügt auch weniger Probenmaterial, sodass man sich heute den großen Fleischwolf sparen kann) und zu analysieren, Kreuzungsversuche zur Validierung der Art Homo sapiens und zusätzlich einfache Aufzuchtversuche durchführen (man schicke ein Pirahã-Baby nach Köln und warten mal 14 Jahre, bis wir auf Schachtelsätze treffen - oder nicht). Vielleicht wären sogar histologische Maßnahmen am lebenden Großhirn interessant. Und man müsste keine Tierversuche machen, was gewisse Tierschützer durchaus befriedigen würde - gerade Dienstags, wenn sie sich denn doch mal einen Burger im Cheers um die Ecke rein ziehen und dabei getürkte Tierschützerpropaganda der 70er Jahre zitieren.
Das wären jedenfalls die Vorschläge, die ich meinem Team gegeben hätte. Die Fragestellung ist meist eine andere - aber darum geht es ja nicht. Es geht um das validieren von Hypothesen. Selbstverständlich mit möglichst wenig Kollateralschäden.
Mein Ethikmentor ärgern sich gerade ziemlich, dass ich so unverschämt Menschenversuche zur Validierung von Fragestellungen proklamiere, die so essentiell nicht sind. Keine Fragestellung ist so essentiell, dass sie Menschenversuche rechtfertigt. Nun, sagen wir einfach: Offiziell nicht seit den 70er Jahren. Aber sowohl dieser Mentor als auch meine vorhergehende Religionslehrerin (bis zu einem bestimmten alter, ist die Zwangschristianisierung an Schulen in Deutschland ja immer noch obligatorisch, was mein Vertrauen in das System selbst redend nicht gerade stärkt) sind von einem PKW und einem LKW überfahren worden. Was sagt das aus?
Nichts! Vielleicht das Gott auch nur so eine kreationistische Idee ist, die einem jüdischen Stammtisch entsprungen sein könnte. Oder einer Sekte - es fallen mir letzter Zeit etwas zu viele XPs gefolgt von siebenern (7) auf. Das hat sicherlich einige verschwörerische Hintergründe. Oder wieso heißt es Windows XP (das XP stammt aus dem Altgriechischen und ist das Monogramm für Chistus - also
Christós - chi und rho) und jetzt Windows 7 - die 7 steht in der christlichen Symbolik für den mathematischen Beweis des göttlichen Geschehens, dass das Weltall zusammenhält. Na, ganz großes Kino, nach Windows Vista (vista ist italienisch für "Ausblick"). Zufälle gibt es.
Von der Rekursion zu elementaren Verfahren der Aufklärung und wieder zurück zum Kreationismus, der einfach eine folge von deduktivem Übereifer ist. Meine These.
Leute, wenn ihr ein Problem in einer Teilkomponente in eurer verdammten Software habt: Glaube führt zu absolut nichts. Zu nichts mehr, als zu Religion. Gewinn von Erkenntnis und Wissen mag zwar Zeit kosten - dennoch: WER WIE WAS, DER DIE DAS, WIESO WESHALB WARUM, WER NICHT FRAGT BLEIBT DUMM!
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